Erntehelfer

Letzter Tage habe ich mit einem Freund per Video gechattet. 

Das ist ja so eine ganz neue Erfahrung für viele. Plötzlich blickt man in anderer Leute Wohnzimmer, sieht, wie sie so eingerichtet sind und was sie so anhaben, wenn sie ganz allein zu Hause sind.  

Er trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Carpe diem“ – wörtlich übersetzt “ pflücke den Tag“. Und wenig später erzählte er: Heute ist so ein Tag, an dem ich einen Erntehelfer brauchen könnte.  

Ich finde diesen Gedanken neu und nachdenkenswert.  

Und ich glaube, es gibt zwei Sorten von Tagen, an denen ein oder mehrere Erntehelfer ganz nützlich sein könnten.  

Da sind einmal die Tage, die voll sind von Glück und schönen Erlebnissen, und man weiß gar nicht, wohin damit. Um sie zu ernten, aufzubewahren und später noch mal erinnern zu können. Unser Hochzeitstag im letzten Jahr war so ein Tag, an dem wir viele Erntehelfer dabei hatten. Freundinnen und Freunde, die viele Wochen und Monate später mit uns in Erinnerungen schwelgen und uns heute noch erzählen, wie schön dieses Fest war.  

Und dann gibt es die Tage, an denen ich mich gar nicht so richtig aufraffen kann, irgendwas zu pflücken oder zu ernten. Weil ich denke, da gibt es nichts, was lohnt. Nichts, was erblüht oder als Frucht dieses Tages zu genießen wäre.  

Und da kommt jetzt einem “ Erntehelfer“ eine ganz besondere Bedeutung zu. Einer, der in meinem Tag das Besondere sieht, der entdeckt, was zu pflücken ist und es vielleicht einfach an meiner Stelle tut, diesen Tag pflücken.  

Wir Christen können füreinander solche Erntehelfer sein. Einander den Tag pflücken und einem anderen die reifen, duftenden Früchte reichen, vielleicht schon in Stückchen geschnitten wie es Oma immer getan hat, als ich Kind war. – Aber auch miteinander ernten, wenn es viel und reichlich gibt. Die Speicher mit vereinten Kräften füllen und wissen, dass da unser gemeinsamer Vorrat ist für kältere und dunklere Tage.  

Das alles ist für mich gemeint, wenn im Matthäusevangelium von Jesus erzählt wird:  

Jesus zog durch alle Städte und Dörfer in dieser Gegend. Er lehrte in den Synagogen und verkündete überall im Land die rettende Botschaft von Gottes Reich. Wohin er auch kam, heilte er die Kranken und Leidenden. Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben. »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter«, sagte Jesus zu seinen Jüngern. »Darum bittet den Herrn, dass er noch mehr Arbeiter aussendet, die seine Ernte einbringen.« 

Wie ist es? Wollen wir uns nicht freiwillig melden, als Ernte-Helfer? 

Bleibt behütet!  

Kristina Ziegenbalg 

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