Ein stück vom Himmel

Heute ist Christi Himmelfahrt, oder, wie ein amerikanischer Kollege s ausgedrückt hat, der Tag, an dem Jesus beschlossen hat, Homeoffice zu machen. 🙂

Himmel, das ist in unserer Sprache ein ziemlich schillernder Begriff. Wir schauen an den wolken- und flugzeuglosen Himmel und wissen, dass dahinter der Weltraum liegt und niemals endet.

Wir sagen, Gott wohnt im Himmel, schauen nach oben und wissen doch, dass er ganz anders ist als ein alter Mann zwischen den Wolken.

Wir erzählen davon, dass unsere Toten im Himmel sind und wissen gleichzeitig nicht, wo er ist, dieser Himmel und wie es da sein wird.

Wir verwenden die Ausdrücke “himmlisch” und “im 7. Himmel” und meinen wunderbare, paradiesische Zustände.

Vor achtzig Jahren lebte in Warschau die kleine Janina David zeitweilig versteckt in einem engen dunklen Zimmer, das sie niemals verlassen durfte. Die Familie David musste sich vor den Nazis verstecken. In dem Buch, das sie später über ihre Erlebnisse schrieb, erinnert sich Janina David an ein winziges Fenster, durch das sie ein Stück vom blauen Himmel sehen konnte. Dieser Blick auf den Himmel war es, was ihr Mut gab und sie die lange böse Zeit am Leben hielt.

Für das jüdische Mädchen Janina bedeutete der Himmel Freiheit, Hoffnung, Zukunft.

Der Himmel ist ein Symbol für so vieles, was uns glücklich macht. Der Himmel, den wir sehen können, wenn wir unseren Blick nach oben richten, ist ein Bild dafür.

Aber: Gott ist nicht da, wo der Himmel ist, sondern der Himmel ist da, wo Gott ist.

Christi Himmelfahrt erinnert daran. Der Jesus, der vorher für seine Freunde und die Menschen in einigen Dörfern und Städten erfahrbar war, ist jetzt “im Himmel” und damit überall da, wo Gott ist. Über uns, neben uns, um uns herum, in uns.

Quasi im Homeoffice mit umgekehrtem Vorzeichen. Nähe statt Abstand, obwohl er körperlich nicht mehr da ist.

Das ist schwer zu verstehen. Und trotzdem will ich es glauben.

Und wenn ich heute in den Himmel gucke, dann fällt mir das etwas leichter als an grauen Tagen. Ein Stück vom Himmel ist da. Auch für mich. Heute. Damit ich grenzenlos hoffen kann.


Bleibt behütet!
Kristina Ziegenbalg

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