Impuls zum Karfreitag – Ich bin da

Hier der Karfreitagsimpuls eines sehr lieben Kollegen ? – und liebe Grüße von meinem Mann ? – bleibt behütet!

Stefan Ziegenbalg – Gedanken zu Karfreitag 2020


„Ich bin da!“


Die Krankenschwester ist da,
der Pfleger ist da

die Ärztin und der Müllwerker,
die Kassiererin
der Mann vom Ordnungsamt
sie sind alle da und tun, was getan werden muss.

Und wir sind da,
im Homeoffice,
an den Telefonen und
in den Videokonferenzen,

reden, wo wir nicht berühren können,
versuchen Gemeinschaft aufrecht zu erhalten,
wo Nähe vor Ort nicht möglich ist.

Wir sind da,
wo manchmal zu viel Nähe ist,
weil die Schule dicht ist
und der Kindergarten,
wir vermissen die anderen,
weil lernen und basteln,
chatten und streamen
eben nicht alles ist,
wir die anderen zum Toben und Spielen,
zum Abhängen und Quatschen brauchen.

Wir sind da, wo zu wenig Nähe ist,
weil gar keiner da ist – außer mir,
und ich nicht nur lesen und meditieren,
spülen, waschen und aufräumen kann …
Wir sind da – zwangsläufig,

mal aus Berufung und mit Elan und Engagement
und oft auch am Ende unserer Kräfte,

mal nur zwangsweise,
weil es eben nicht anders geht.

Aber wir sind da.

Wo aber bist Du, Gott?
Wenn ich beten will,
wenn ich dir sagen will,
wie schlecht ich mich fühle
und wie kraftlos,

wie mich das fertig macht,
dass ich nicht weiß, wie es weitergehen soll,
wie lange das alles noch dauert,
und was dann kommt.

Wo bist Du, Gott,
wenn ich der Angst ins Auge blicke,

der Angst jemanden zu verlieren,
der mir am Herzen liegt,
den ich nicht begleiten kann, sollte ihm etwas geschehen,
der Angst selbst zu erkranken,
allein mit der Krankheit zu sein?

Wo bist Du, Gott?

Sie geht an die Existenz,
diese Frage,
und je schlimmer die Not,
desto lauter und existentieller wird die Frage.

Deswegen schreit sie einer am Kreuz heraus;
mit aller Not und aller Verzweiflung, die noch in seinem Körper wohnt,
schreit Jesus:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Psalm 22,2a.

Mich hat immer schon fasziniert,
dass dieser Jesus,
im Angesicht des Todes,
in dieser ausweglosen Situation,
nicht nur nach Gott fragt,

wie so viele, die leiden.

Jesus redet ihn gleichzeitig ganz persönlich an:

„Mein Gott“ – schreit er –
und erlebt im Tod, dass Gott da ist.

Wo ist Gott?

Gott hat sich festnageln lassen.

Auch, wenn wir es oft nicht glauben wollen,
seit diesem Gebet,
diesem Schrei am Kreuz,
können wir es wissen.

Er ist den Altenheimen und Krankenhäusern
liegt auf de Intensivstation,
hängt an der Beatmungsmaschine …

sitzt neben dem verzweifelten Arbeiter,
der nicht weiß, wie er in dieser Situation
seine Rechnungen bezahlen soll,

wie auch neben der Unternehmerin,
die nicht weiß, wie es mit ihrem Betrieb weitergeht.

Aber nicht nur da.
Wenn ich heute die Zeitung aufschlage oder den Fernseher anmache,
wenn ich die Bilder sehe
von den zusammengepferchten Menschen in Moria,
die Kinder und die Kranken, die keiner haben will –

dann weiß ich: Gott ist für sie da – auch wenn kein anderer da ist.

Vielleicht kann uns dieser Karfreitag
– an dem die Kirchen leer bleiben müssen –
noch einmal ganz anders die Augen öffnen dafür,
wo wir Gott eigentlich finden
und was er von dem hält, wie wir so leben.

„Stopp“, sagt das Kreuz zu einer Lebensform, die in den Tod führt
und zeigt Gott an der Seite der Menschen, die Hilfe brauchen
– als den, der da ist.

Diese Botschaft bringt Gott – durch Karfreitag – in die Welt
und das finde ich, ist das Geniale:

Das macht er durch uns.
Wir alle sind Botschafterinnen und Botschafter dieser guten Nachricht.

Deshalb treten wir im Auftrag von Christus als seine Gesandten auf;
– heißt es im Neuen Testament Korinther 5,20 – Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung.
Gott selbst ist es, der die Menschen durch uns ´zur Umkehr` ruft.
Wir bitten im Namen von Christus:
Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet!

„Bitte, nehmt das an!“
Das dürfen wir weitersagen,
und dabei geht es ums Anderswerden,
um das Sich-erneuern-lassen,

Es geht ums Aussteigen aus allem,
was uns unfrei macht,

darum, den Blick frei zu bekommen
für das, was jetzt dran ist

frei zu werden von Lebensformen, die uns und anderen schaden,
die lebensgefährlich sind.

Ich stelle mir vor,
wir sind so etwas wie eine Einladungskarte Karte Gottes.

Er schickt uns alle auf den Weg,
um die Menschen einzuladen – zum Leben!

„Ich lade Dich ein.“ – sagt Gott – durch uns.

„Ich lade Dich ein zu leben …
mit mir und deinem Nachbarn,

mit den Menschen, die du liebst …
… und mit den anderen auch –

schau einmal in ihre Augen und ihre Seelen,
höre, was sie sagen – auch das Unausgesprochene –
und Du wirst sehen, wie anders die Welt wird.

Wie reich und bunt und schön,
so wie die Blumen, die die ich dir schenke
und die Tiere, dass du mit ihnen lebst.

Ich lade Dich ein, das Leben zu sehen
und nicht den Tod,

die Zukunft
und nicht das Vergangene.

Ich will Deine Tränen abwischen
und Deine Augen für die Zukunft öffnen.“

„Ich bin bei Dir.“ – sagt Gott –
„Schön, dass Du bei mir bist!“

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