So.. Dez. 7th, 2025
Transkript anzeigen

Heute: traurig sein und trauern

„Auf den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit dahin.“
Ein Zitat von Jean de la Fontaine. Illustriert ist es von einer zarten Feder. Vielleicht habt ihr es auch schon mal gesehen. Es steht oft zwischen den Todesanzeigen in der Zeitung.
Auf den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit dahin. – Traurig sind wir oft. Mia, weil das mit der Konzertkarte nicht geklappt hat, Tom, weil seine Überraschung nicht gut angekommen ist, Elli, weil das Spielzeug nicht mehr funktioniert. Da stimmt es wohl, dass die Traurigkeit mehr oder weniger schnell nachlässt, sozusagen mit der Zeit davon fliegt.
Aber bei Todesanzeigen geht es doch meist um mehr, nicht nur um Traurigkeit, sondern Trauer. Und die fliegt nicht einfach dahin. Schon gar nicht leicht wie eine Feder. Trauer dauert, will be-arbeitet und ver-arbeitet werden. Trauer dauert – manchmal sehr lange. Und ganz weg geht sie vielleicht nie.
Und noch etwas. Auch um Tiere kann man trauern, nicht nur traurig sein über ihren Tod.
Also, ich stolpere über das erwähnte Zitat zwischen den Todesanzeigen immer wieder. Weil ich das Gefühl habe, hier wird Trauer nicht ernst genommen.
Bald ist Totensonntag, Ewigkeitssonntag.
„Auf den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit dahin.“
Tröstet das die Menschen, die zu den Gräbern gehen?