Transkript anzeigen
AUS MEINER SICHT
diesmal: Matthäi am Letzten
„Tja, bei dem ist Matthäi am Letzten.“ Meine Oma hat das oft gesagt. Ich höre noch ihren bedauernden Unterton dabei. Als Kind habe ich nie verstanden, was genau damit gemeint war. Ich wusste nur: Da geht’s jemandem schlecht. Und irgendwas hat es mit dem Matthäus aus der Bibel zu tun. Da heißt es:
„Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Das steht am Ende des Matthäus-Evangeliums. Und was ist daran nun so schlimm? Da steht doch gar nichts davon, dass es jemandem schlecht geht. – Vielleicht hilft es zu wissen, dass der biblische Matthäus Steuereintreiber war. Also jemand, der nach landläufiger Meinung den Leuten das sauer verdiente Geld aus der Tasche zog. Mit „Matthäi am Letzten“ meinte meine Oma dann wohl: Der hat nichts mehr, der ist pleite, der Arme. Und das „am Letzten“ bezieht sich wahrscheinlich auf den Schluss-Satz des Evangeliums:
„Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Da haben wir´s: Ende. Das Wort klingt bedrohlich. Ende. Keiner weiß, was danach kommt. Die Redensart vergisst dabei ganz, wie der Rest des Satzes lautet: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage.“ Das ist Verheißung, nicht Bedrohung. Da klingt Hoffnung mit, Geborgensein. Vielleicht klingt das ja demnächst für dich mit, wenn mal jemand sagt: „Bei dem ist Matthäi am Letzten.“ Und vielleicht kannst du dann diesem jemand irgendwie helfen.