Category Archives: Kristinas Blog

Heiligabend

Was ist richtig?

Wir wissen es nicht. Können nur abwägen und zuhören und reden und überlegen.

Und das haben wir getan. In unzähligen Stunden. Zu zweit, in Gruppen, mit allen Presbyterinnen und Presbytern und Teamleitern. Haben gehört, was andere meinen und denken und uns mit ihnen beraten. Aber dann mussten wir entscheiden.

Wir verzichten, auch wenn es uns weh tut, auf die gemeinsamen Heiligabendgottesdienste auf unserer Wiese, weil dort Menschen zusammenkommen, während sie sich anderswo aus gutem Grund nicht treffen dürfen. Wir verzichten damit auf ein Privileg, das wir als Gemeinde hätten – aus Solidarität und aus Fürsorge.

Worauf wir nicht verzichten, ist auf Gemeinschaft und die gute Botschaft des Weihnachtsfestes.

Ihr könnt irgendwann an den Weihnachtstagen zur Kirche kommen, unseren schönen Baum und die hell erleuchtete Kirche bewundern, das Friedenslicht von Bethlehem mit einer Laterne nach Hause holen.

Der Taschenlampen-Weihnachtsweg am Sperlingsweg ist liebevoll für euch vorbereitet worden.

Ihr könnt einen Gottesdienst zu Hause feiern, die Weihnachtgeschichte lesen und sogar laut Weihnachtslieder singen, wenn ihr mit eurem eigenen Haushalt zusammen seid.

Ihr könnt um 17 Uhr und um 22 Uhr einen stimmungsvollen Gottesdienst mit toller Musik mit uns zusammen feiern – über Zoom. Da kann man sich sehen und Gemeinschaft erleben. (www.widdert.com/zoom-gottesdienst)

Und wir sind für euch da:

Von 10 bis 22 Uhr per Video-Raum (www.widdert.com/zehnbiszehn), einfach zum Reden oder Wünsche-zum-Weihnachtsfest-Austauschen.

Auf das alles verzichten wir nicht.

Weil Gemeinschaft und ein gutes Wort das ist, was wir alle brauchen.

Und dafür gibt es – Gott sei Dank! – so viele Möglichkeiten.

Euch allen eine gesegnete letzte Adventwoche und ein hoffnungsvolles Weihnachtsfest in der Nähe und Ferne!

Eure
Kristina Ziegenbalg

Interview zum Ewigkeitssonntag im Lokalradio NRW

Vor gut drei Wochen führte Margret Wand für die Sendung “Augenblick mal” mit mir ein Interview zu unserem geplanten Gottesdienst am Ewigkeitssonntag auf dem Gemeindefriedhof.

Die Sendung wird am Samstag, den 21. November um 6.15 Uhr in den Lokalradios in NRW – also auch Radio RSG – ausgestrahlt.
Ihr könnt den Beitrag aber schon ab Montag, 16. November unter www.augenblickmalonline.de anhören.

Päckchen-Aktion: Für Dich!

Päckchenaktion für alleinstehende - FÜR DICH! Du packst, was Freude macht -Wir verteilen

Wir möchten gerade in diesem Jahr an die denken, die alleine sind, die aus Angst vor einer Infektion persönliche Kontakte vermeiden und reduzieren müssen.

Deshalb laden wir Euch ein, ein Päckchen zu packen, um zu zeigen: Du bist nicht alleine, wir denken an dich!

Was könntet Ihr in so ein Päckchen packen? Eine handgeschriebene Karte, ein Buch, etwas Selbstgebasteltes, eine Kerze, Tee, Schokolade, eine Kerze, weihnachtliche Dekoration, eine Geschichte…(Euch fällt sicher noch viel mehr ein)

Bitte in diesem Jahr vorsichtshalber keine selbstgebackenen Plätzchen oder andere hausgemachte Lebensmittel!

Wer selbst infiziert ist, sollte aus demselben Grund aufs Päckchenpacken verzichten.

Das gut verschlossene und nett dekorierte Päckchen sollte mit einem Herz und der Aufschrift “FÜR DICH” AN EINEM DER ADVENTSSONNTAGE ZWISCHEN 10 UND 12 UHR ZUR KIRCHE GEBRACHT WERDEN.

An den Nachmittagen werden ehrenamtliche Helfer die Pakete zu alleinstehenden Menschen unterschiedlichen Alters in unserer Gemeinde bringen.

Auch dabei können wir Unterstützung gebrauchen!

Wenn Du selbst gerne ein solches Päckchen hättest, melde dich gerne bei Pfarrerin Ziegenbalg unter 0212-909928.

FÜR DICH – hilf mit, diese Botschaft in die Häuser und Herzen zu tragen!

Impuls im Omnibusgottesdienst am 16.08.2028 „Alles ist jetzt“


„Wo ist Opa? – Aaron stürmt aufgeregt ins Haus. „Ich muss ihn unbedingt was fragen“ 

„Vermutlich unten am Fluss, wie immer“, antwortet seine Mutter und knetet weiter in Brotteig. „Geh ihn ruhig suchen und bring ihn nachher gleich zum Abendessen mit.“ 

Aufgeregt hüpfend macht sich Aaron auf den Weg. Weit ist es nicht bis zum Fluss, nur an einem der grünen Felder vorbei, und dann ist er auch schon da. Der Großvater ist schnell gefunden, er sitzt auf einem großen flachen Stein und starrt auf das Wasser. 

Als er Aaron sieht, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. 

„Na, Junge. Schön, dass du da bist!“ 

„Was machst du wieder hier am Fluss, Opa? Du guckst immer so traurig. Als ob du geweint hättest…Hast du wieder an früher gedacht, an dein Zuhause in Israel?“ 

Still nickt der Großvater.  

„Mein Zuhause“, murmelt er, „Damals war alles…besser. Und schöner, wir waren frei, konnten tun, was wir wollten, niemand sagte uns, was wir tun und nicht tun dürfen. Aber dann…“ 

„Dann haben die Soldaten aus Babylon Jerusalem erobert, stimmts? Das hast du mir schon oft erzählt, Opa. Und auch, dass ihr verschleppt wurdet, als mein Papa noch ganz klein war. Das ist schon ganz schön lange her.“ 

„Wie mans nimmt“, murmelt der Alte. „Aber die Sehnsucht bleibt.“ 

„Ist Sehnsucht etwas Gutes?“ fragt Aaron neugierig. 

„Ja und nein.“, bekommt er zur Antwort. „Meine Sehnsucht macht mich oft traurig und manchmal lässt sie mich weinen.“ 

„Warum scheuchst du sie dann nicht einfach weg?“ bohrt Aaron nach, „Wenn sie dir doch nicht gut tut, die Sehnsucht? 

„Wenn das mal so einfach wäre.“ Der Großvater schweigt. „Ich denke immer an das, was fehlt. An die Straßen und Häuser meiner Kindheit, an die Feste im Tempel und den Sabbat in der Synagoge, wo wir mit allen zusammenkamen. Und das ist mir wichtig. Das möchte ich nicht vergessen.“ 

„Aber“, fängt Aaron vorsichtig an, „Ich kenne Jerusalem gar nicht, aber ich kenne meine Freunde, die mit mir spielen und lernen, und ich kenne dies große Stadt Babylon mit ihrem riesigen Turm und den Palästen und den hängenden Gärten und die Musik, die dort gespielt wird und ich kenne das Plätschern des Flusses und den Geschmack der Früchte und das leckere Brot, dass Mama backt. Ich brauche gar keine Sehnsucht. Ich bin auch so froh.“ 

Der Großvater lächelt. „Das ist auch gut so, mein Junge. Du hast Recht, es gibt viel Schönes hier, und vieles, wofür wir dankbar sein können. Manchmal vergesse ich das.“ 

„Komisch“, meint Aaron, „Aber das, was so viele Jahre zurück liegt, das vergisst du nicht?“ 

Nachdenklich schaut ihn der Alte an. „Vielleicht ist das bei vielen Erwachsenen so“, meint er dann, „dass wir über all der Sehnsucht nach dem Vergangenen das Heute vergessen. – Aber weißt du, damals, da fühlten wir uns Gott so nahe, alle um uns herum glaubten und gingen in den Gottesdienst und lebten nach Gottes Geboten.“ 

Jetzt plötzlich fällt Aaron seine Frage wieder ein. „Glaubst du, Gott hat uns vergessen, Opa?“ 

„Wie kommst du denn darauf?“ 

„Die alte Rebecca von nebenan hat das heute Morgen ganz laut gerufen und gejammert. Ihr Bruder ist gestern gestorben und er hatte doch so gehofft, seine Heimst noch einmal wiederzusehen.“ 

„Nein, Aaron, Gott hat uns ganz bestimmt nicht vergessen, Gott ist sogar mitgegangen mit uns, als wir mit den anderen Gefangenen den langen Weg von Israel nach hier gezogen sind, viele Tag und Monate lang. – Er war immer bei uns, das konnte ich spüren.“ 

„Ist er auch jetzt hier, bei uns, hier unten am Wasser?“ 
„Ja“, versichert der Großvater, „das hast du mir doch eben selbst erzählt.“ 
„Ich?“ staunt Aaron. 
„Die Frische des Wassers und die wohltuende Stille dieses Ortes, die saftigen Früchte, das knusprige Brot, die Umarmung deiner Mutter, das Spielen mit deinen Freunden, die Blumen, die Musik,  unsere guten Gespräche: Was glaubst du, wer dir das alles schenkt? Jede schöne Stunde, jeden Augenblicke, der dich glücklich macht?“ 

Aaron weiß die Antwort. „Unser Gott, nicht wahr, Großvater? Der, der Abraham in ein neues Zuhause brachte, der Isaak und Jakob behütete und unser Vorfahren aus der Sklaverei in Ägypten führte, von dem kommt all das Gute, oder? – Aber warum ist die Sehnsucht dann immer noch da, Opa?“ 

„Vielleicht, damit wir die Hoffnung nicht verlieren“, murmelt der Alte, „Denn die Hoffnung ist eine Kraft, die uns Augen und Ohren öffnen kann. Ich zum Beispiel habe heute durch die Worte eines kleinen Jungen und durch unser Gespräch eine neue Sicht auf manches bekommen.“ Er lächelt liebevoll. 

„Ich glaube, ich auch“, meint Aaron, „Schreib das doch mal auf, Opa, die Geschichten von Gott und seinen Geschenken, wäre das nicht eine Idee? Dann kann ich die mal meinen Freunden vorlesen.- Und jetzt komm mit, Mama wartet bestimmt schon mit dem Abendessen auf uns!“ 

Und auf dem kurzen Weg ins Dorf kommt dem Alten schon ein Kehrvers für seine Gottes-Geschenke-Geschichte in den Sinn: „Und siehe, es war sehr gut.“ 

Tag der Linkshänder

Als Kind hörte ich von Erwachsenen von dem “schönen Händchen”, wenn ich ihnen selbstverständlich meine linke Hand entgegenstreckte.

Im Kindergarten wurde ich aus der Gruppe genommen und musste gefühlt stundenlang mit beiden Händen gleichzeitig Kreise malen, um die rechte Hand zu fördern.

In der ersten Klasse dann durfte nur mit rechts geschrieben werden – und ich wechselte, sobald die Lehrerin wegguckte, in die Linke.

Noch heute bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie dem nach wenigen Wochen ein Ende machten. Damals, 1973 mussten sie sich dafür massiv einsetzen, dass ich mit links schreiben durfte. Was für ein Segen für mich!

Scheren, Lineale, Soßenkellen, Ringbücher, Werkzeuge…. all das erinnert mich täglich wieder daran, dass meine Umgebung sich an Rechtshändern orientiert, weil sie eben die Mehrheit sind. Und die Minderheit hat sich anzupassen.

Heute darf jedes Kind mit der Hand schreiben lernen, die das möchte, es gibt es zum Glück viele Utensilien, die extra für Linkshänder gefertigt wurden, aber die Gesellschaft an sich hat sich erschreckend wenig verändert.
Die Mehrheit gibt vor, was angeboten wird, alle, die anders sind, müssen sich das erkämpfen oder sich Nischen unter ihresgleichen suchen.

Meine Haltung zur Buntheit und Vielfalt des Lebens, zu Menschen, die anders lieben und anders leben, ganz egal, ob sie so geboren wurden oder sich dazu entschieden haben, ist durch meine eigene Linkshändigkeit geprägt worden. Gott sei Dank!

Wir leben 2020 – was wäre das für ein Segen, wenn sich die Vielfalt der Menschen in allen Teilen unserer Gesellschaft niederschlagen würde und jede(r) immer wieder daran erinnert würde, dass es Menschen gibt, die anders sind als man selbst – und trotzdem gut!

Weil Gott uns so gewollt hat, als Links-, Rechts- oder Beidhänder, als Männer, Frauen, Intersexuelle, als hetero-, homo- und bisexuell Liebende, als Menschen mit körperlichen und geistigen Besonderheiten.

Euch allen, und vor allem allen “I-Dötzchen” einen schönen Linkshändertag!