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AUS MEINER SICHT
heute: Aus den Augen verloren
Die allwöchentliche Fragestunde steht an. Jede und jeder darf Gott fragen, was auf den Nägeln brennt.
„Wann wird dieser schreckliche Krieg gegen die Ukraine aufhören?“ „Warum lässt Du zu, dass Kinder im Gazastreifen und anderswo auf der Welt verhungern?“ Und dann diese Frage: „Sag mal, Gott, was ist eigentlich aus Birgit geworden? Du weißt schon, die, mit der ich damals Abi gemacht habe.“
„Hmm!“ Gott denkt nach. Dann gibt er zu: „Keine Ahnung. Die hab ich aus den Augen verloren.“
Halt! Stopp! Fake! Das steht so nicht in der Bibel.
Aus den Augen verlieren, das heißt doch: Die Umstände sind halt ungünstig. Die vielen Kilometer, die zwischen uns liegen. Andere Menschen oder Dinge sind mir jetzt wichtiger. Was der Andere tut, interessiert mich nicht mehr so sehr.
Und das soll für Gott gelten?
In einer modernen Übersetzung des Buches Hiob, einem der Bücher der Bibel, heißt es:
Gott sieht doch ganz genau, was ich mache! Er verfolgt jeden Schritt von mir auf einer riesigen Leinwand im Himmel.
Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen Gott Menschen im Blick hat. Da ist Zachäus, der kleingewachsene Zöllner, den Jesus hoch oben im Baum entdeckt. Oder die Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll. Da sind die Mütter mit ihren Kindern, die die Jünger nicht zu Jesus lassen wollen.
Von „aus den Augen verloren“ ist da nirgendwo die Rede. Und das finde ich tröstlich.